Sonderausstellungen

Neue Ausstellung: Straßen in Gommern und deren Entwicklung

Am 4. Juli 2021 wurde eine neue Ausstellung eröffnet, die sich mit der Geschichte und der Bedeutung nachfolgender Straßen befasst:

  • Bahnhofstraße
  • Brauhausstraße
  • Hagenstraße
  • Karither Straße
  • Manheimer Straße
  • Salzstraße
  • Walther-Rathenau-Straße

Beispielgebend veröffentlicht der Heimatverein das Ergebnis seiner Recherchen zur Karither Straße wie folgt:

„Emil Meyer erwähnt in seiner Chronik von 1897 als Bebauungsgebiet noch „das Terrain der Aktienzuckerfabrik.“ Nach Überprüfung der Gegebenheiten, insbesondere der Rüben Anbauflächen und die Nähe zur Magdeburg-Zerbster-Eisenbahnstrecke, fiel die Wahl auf Gommern. Der Standort sollte nahe dem Bahnhof sein. Am 20. Oktober 1889 war die Grundsteinlegung für den Bau der Zuckerfabrik.

Dorothea Kreidel, geb. Jordan, erinnerte sich, dass in den 1920er und 1930er Jahren die Karither Straße durch den Rübentransport mittels Pferdefuhrwerke oder offener Lastkraftwagen stets sehr verschmutzt war.

Es ist davon auszugehen, dass während des II. Weltkrieges auch weiter produziert wurde. Erhaltene Krankenversicherungskarten mit Einträgen aus den Jahren 1941 bis 1944 belegen das. Nach Ende des II. Weltkrieges wurde die Zuckerfabrik auf Anordnung der sowjetischen Militäradministration (SMAD), die bis zur Gründung der DDR die Staatshoheit über die sowjetisch besetzten Gebiete hatte, demontiert und als Wiedergutmachung (kurz Reparation) in die Sowjetunion gebracht. Ob und wo diese wieder aufgebaut wurde, wird wohl nach so langer Zeit nicht mehr zu ermitteln sein. Die Zuckerfabrik Gommern hörte damit auf zu existieren. Teile der Gebäude wurden in den 1950er Jahren gesprengt. 1968 wurde das Gelände mit Silo-Anlagen der VEB Kombinat Getreidewirtschaft Magdeburg, Betriebsteil Burg, Lager Gommern, bebaut.

Bildausschnitt von der Vitrine, in der die Entwicklung der Karither Straße nachvollziehbar gemacht wird.

Ein weiteres markantes Gebäude ist die Karither Str. 6. Laut vorhandenen Unterlagen im Hausbuch des Heimatvereins wurde das Gebäude 1905 errichtet und gehörte Otto Schuhmann. Den meisten Gommeranern ist allerdings die Gaststätte „Zum guten Tropfen“ besser bekannt als „Maxe Titsch“ Max Titsch taucht im Hausbuch des Heimatvereins 1912/1913 und 1927 als Kaufmann und Inhaber auf. Erst ab 1943 taucht Rudolf Titsch auf, der die Gaststätte lange Zeit führte.

Es war eine richtige Stammtisch-Kneipe mit Holztischen und Holzstühlen, einem recht abgesessenen Sofa sowie einem Kohleofen, der von Frau Titsch zwischen Bier zapfen und Bedienen befeuert werden musste. Dafür war das Bier preiswert und eine Bockwurst mit Brot, Hackepeter oder Stichfleisch gab es auch. Herr Titsch, von den meisten nur Rudi genannt, stand hinter dem Tresen und spülte Gläser in einem Becken. Sparsamkeit war angesagt, das Becken hatte nur wenig Wasser.“